Archiv des Autors: Jürg Zogg

Kältewelle im Anmarsch

Am Südrand des mächtigen Kältehochs über Russland fliesst ab Donnerstag, 2. Februar eisig kalte Luft nach Wartau.

Ein wichtiges Mass in der Meteorologie ist die Temperatur auf dem Druckniveau von 850 Hektopascal, also auf etwa 1500 Meter über Meer. Diese Temperatur beschreibt die Eigenschaften der Luftmasse ungestört, da in der freien Atmosphäre auf dieser Höhe kaum mehr tageszeitlichen Schwankungen auftreten.

Betrachtet man Wetterkarten in diesem Niveau, so erreichte im Laufe des Mittwochs, 1. Februar eine Luftmasse von -10 bis -12 Grad die Ostschweiz. Die Temperatur pendelte zu diesem Zeitpunkt an der Wetterstation Oberschan um -6 Grad. In den kommenden Tagen lenkt das Sibirienhoch nun mit einer Bisenströmung (Unterwind) noch kältere Luft nach Wartau. Der Höhepunkt der Kältewelle steht uns zwischen Freitag, 3. und Sonntag, 5. Februar bevor. Nach dem Wettermodell des amerikanischen Wetterdienstes (GFS) liegt an diesen 3 Tagen eine extrem kalte Luftmasse von -18 bis -22 Grad, zeitweise sogar von bis zu -24 Grad über uns.

Eine genaue Temperaturprognose für Oberschan ist nach wie vor recht unsicher und abhängig davon, ob die hochnebelartigen Wolken dicht bleiben oder ob es in den Nächten zwischendurch aufklart. Wird es in den Nächten länger klar, sind bis -20 Grad durchaus möglich, sonst liegen die erwarteten Tiefstwerte zwischen Freitag und Sonntag bei etwa -14 Grad. Und auch tagsüber bleibt es eisig mit kaum mehr als -9 Grad.

Somit wird die bisherige Tiefsttemperatur der seit Mai 2008 in Betrieb stehenden Wetterststation Oberschan wohl unterboten. Der bisherige Stationsrekord stammt vom 20. Dezembers 2009, damals wurden am frühen Morgen -13,5 Grad gemessen.

Schaut man in der Klimastatistik nach, wann letztmals eine ähnlich kalte Luftmasse über uns lag, muss man rund 25 Jahre zurückgehen. Am 1. Januar 1987 war die Luftmasse auf einer Höhe von 850 Hektopascal -22,7 Grad kalt. In Vaduz/FL war es an diesem Tag frühmorgens -19,8 Grad kalt, der Höchstwert lag bei -14,4 Grad. Ebenfalls von diesem Tag stammt der Kälterekord der Schweiz. In La Brévine im Neuenburger Jura wurden -41,8 Grad gemessen.

33,4 Grad: neuer Hitzerekord

Die Wetterstation Oberschan verzeichnete am Dienstagnachmittag, den 23. August mit 33,4 Grad einen neuen Hitzerekord! Seit Messbeginn Ende Mai 2008 war es noch nie so heiss.

Schon seit dem Wochenende bestimmt sehr warme Luft aus Nordafrika und Spanien unser Wetter – dies zeigt auch der Saharastaub in der Luft. Bereits gestern Montag reichte es mit 30,6 Grad für einen Hitzetag. Die höchste Temperatur wurde aber bereits kurz vor 14 Uhr erreicht. Danach kehrte der Wind und es kam Unterwind auf, welcher die Temperatur wieder etwas dämpfte. Im Gegensatz dazu herrscht heute Dienstag eine schwache Föhnströmung, gegen die sich der Unterwind nicht durchsetzen konnte. Somit stieg die Temperatur am Nachmittag mit föhnigem Südwind weiter an und erreichte um 16:05 den neuen Rekordwert von 33,4 Grad.

Jahresrückblick 2010

Um das Wetter im  Jahr 2010 einzuordnen, vergleicht man es mit Werten aus früheren Jahren. Da die Wetterstation Oberschan aber erst seit dem 26. Mai 2008 in Betrieb ist, sind solche Vergleiche nicht besonders aussagekräftig. Deshalb wird in diesem Rückblick auch auf Daten der MeteoSchweiz-Wetterstation in Vaduz zurückgegriffen, die über langjährige Messreihen und somit auch über Normwerte verfügt.

TEMPERATUR

Die Mitteltemperatur des Jahres 2010 lag in Oberschan bei 8,7 Grad. Im Vergleich mit dem Mittel der Jahre 1961 bis 1990 gab es in der Region einen kleinen Wärmeüberschuss von 0,7 Grad. Im Vergleich mit dem Vorjahr war es in Oberschan aber um genau 1 Grad kühler.

Die höchste Temperatur wurde am 10. Juli mit 32,7 Grad registriert. Dies ist seit bestehen der Station der absolute Höchstwert. Es gab 4 Hitzetage mit Temperaturen über der 30-Grad-Marke und 35 Sommertage mit Temperaturen von 25 Grad und mehr. Auch 2 sogenannte Tropennächte wurden verzeichnet. Das sind Nächte, in denen es nicht unter 20 Grad abkühlt.

Am kältesten war es am Morgen des 13. Februars mit -11,4 Grad. An insgesamt 96 Tagen gab es Tiefstwerte unter dem Gefrierpunkt (sogenannte Frosttage). Dies sind 15 Frosttage mehr als im Jahr 2009. An 39 Tagen blieb die Temperatur den ganzen Tag unter 0 Grad. Solche Eistage gab es im Vorjahr 25.

NIEDERSCHLAG

Im Jahr 2010 fiel total 982 mm Niederschlag. Im Vorjahr war es deutlich trockener mit 115 mm weniger Regen und Schnee. Im Vergleich mit dem langjährigen Mittel war der Überschuss aber gering, Vaduz registrierte 107 % vom Normwert. Am kräftigsten regnete es am 28. August mit rund 38 mm. An insgesamt 13 Tagen regnete es mehr als 20 mm. Sogenannte Regentage (mit >0,9 mm Niederschlag) gab es 123, das heisst gemittelt über das Jahr fiel an jedem 3. Tag Regen oder Schnee. Auch dies liegt etwa im Rahmen, im Mittel der Jahre 1961 bis 1990 hatten Sevelen pro Jahr 134 und Sargans 142 Regentage.

Neue Wetter-Homepage mit Wartauer Wetter

Die neue Internet-Seite www.wartauerwetter.ch bietet viele Informationen rund ums Wartauer Wetter, speziell zu den Verhältnissen in Oberschan. Neben Artikeln zu aktuellen und interessanten Wetterereignissen findet man unter dem Link „Messwerte“ die Daten der Wetterstation Oberschan. Über den Link „Prognose“ gelangt man zu einer 6-Tages-Prognose für Oberschan. Dabei handelt es sich um eine 4 mal täglich automatisch generierte MOS-Prognose von SF Meteo, dem Wetterdienst des Schweizer Fernsehens und Radios.

Informationen zur MOS-Prognose
Eine MOS-Prognose entsteht durch die Kombination von Daten von Wettermodellen, die in die Zukunft schauen, und Daten von Wetterstationen, die Informationen über das vergangene Wetter liefern. Bei der Prognose auf dieser Homepage stammen die Wettermodelldaten vom amerikanischen Globalmodell GFS, die Klimadaten von der Wetterstation in Oberschan auf Prafisuot, die seit Mai 2008 in Betrieb ist. Die automatisch generierten MOS-Prognosen sind immer mit Vorsicht zu geniessen und können sich von den Prognosen, die von Meteorologen erstellt werden, deutlich unterscheiden! Meteorologen studieren nämlich die Modelle diverser Wetterdienste. Falls das Modell des amerikanischen Wetterdienstes den Meteorologen zu einem gewissen Zeitpunkt als nicht plausibel erscheint, wird dieses Modell ignoriert und die Prognose basierend auf anderen Wettermodellen erstellt.

Was kann man aus der Graphik lesen?
In der Kopfzeile sind die Tage und die Uhrzeiten dargestellt. Da in der Meteorologie die Zeiten immer in UTC angegeben werden, ist dies auch hier so der Fall. Um zu unserer Zeit zu gelangen, gilt im Winter UTC +1 Stunde, während der Sommerzeit UTC +2 Stunden.

Im obersten Abschnitt sind Wettersymbole für den Vormittag und Nachmittag dargestellt. Gerade diese Symbole sind mit Vorsicht zu geniessen, da diese Informationen ausschliesslich auf Modelldaten basieren.

Im zweiten Abschnitt sieht man den Temperaturverlauf mit den eingezeichneten Tiefst- und Höchsttemperaturen.

Weiter unten sind Informationen zum Wind zu finden. Neben der Windrichtung sind der Mittelwind (grüne Linie) und die maximalen Windböen (rote Punkte) in km/h dargestellt. Vorsicht: Da der Windmast der Wetterstation nicht optimal aufgestellt ist und zu geringe Böen misst, sind die Prognosen basierend auf diesen Werten auch eher tief. In anderen Dorfteilen kann es zum Beispiel bei Föhn deutlich heftiger blasen als hier prognostiziert.

Im 4. Abschnitt ist die erwartete tägliche Sonnenscheindauer in Stunden angegeben.

Im untersten Abschnitt ist die erwartete Regenmenge in mm während 6-Stunden Intervallen dargestellt. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kann davon ausgegangen werden, dass im Mittel 1mm etwa 1cm Neuschnee entspricht. Bei nassem Schnee ist es natürlich weniger, bei extremer Kälte mehr. Bei Temperaturen zwischen -7 und -9 Grad kann 1 mm Niederschlag 2 cm Neuschnee bringen, bei -10 bis -12 Grad sogar 3 cm.

Juli 2010: Zuerst Rekordhitze, dann heftige Gewitter

Am Samstag den 10. Juli wurde kurz vor 18 Uhr die höchste Temperatur seit Bestehen der Wetterstation gemessen: es war 32,7 Grad heiss. Am Abend kurz nach 20 Uhr brachte dann ein mässig starkes Gewitter eine erste Abkühlung. Am darauffolgenden Sonntag dominierte bis zum späten Nachmittag nochmals die Sonne bei schwülwarmen 29 Grad. Am Abend um etwa 19 Uhr kam aber ein heftiges Gewitter auf, welches in kurzer Zeit grosse Niederschlagsmengen brachte. Bei der Wetterstation auf Prafisuot wurden innerhalb einer Stunde 14 mm registriert. Richtung Gauschla und Alvier waren die Mengen wahrscheinlich noch deutlich höher. Dies führte zu hochgehenden Bächen und diversen Schäden an Alpstrassen.

Radarbild vom 11.7.2010 um 19:10

Radarbild vom 11.7.2010 um 19:10

Regenmenge am 11.7.2010

Regenmenge am 11.7.2010

Nochmals einen Tag später, am Montag, den 12.7. war es erneut sonnig und knapp 30 Grad heiss. Gegen Abend kamen wieder verbreitet Gewitter auf. Eine heftige Gewitterzelle zog vom Glarnerland Richtung Sarganserland, dabei gab es vor allem im Raum Mels grosse Schäden durch Hagelschlag. Danach zog die Gewitterzelle leicht abgeschwächt Richtung Wartau weiter. Auch dort hagelte es noch stellenweise und die Regenmenge war mit 26 mm innerhalb von etwa 1 1/2 Stunden noch deutlich höher als am Vortag.

Radarbild vom 12.7.2010 um 19:40

Radarbild vom 12.7.2010 um 19:40

Regenmenge am  12.7.2010

Regenmenge am 12.7.2010

Hagelschaden im Rebberg Verfingis bei Gretschins

Hagelschaden im Rebberg Verfingis bei Gretschins

Interessant auch das Blitzbild: innerhalb von einer Stunde (zwischen 19:30 und 20:30) wurden in der Region rund 2500 Blitze registriert:

Blitze am 12.7.2010

Blitze am 12.7.2010